Selektive Schärfe: Freie Motive.

"Hintergrund"-Geschichte

Warum sind unsere Bilder oftmals nicht so, wie wir sie haben wollen? Warum kommt das Motiv des Bildes oft einfach nicht richtig zur Geltung? Ein Grund, den ich schnell nach Sichtung meiner eigenen Bilder manifestieren konnte, war folgender:

Es ist zu viel Durcheinander drauf!

Und das, obwohl es manchmal nur eine einfaches Vordergrundmotiv gab. Der Hintergrund aber zerstörte alles. Er lenkte sehr stark vom Hauptmotiv ab, und war manchmal sogar interessanter als das Motiv selbst. Ich erwischte mich selbst dabei, lange Zeit auf den Hintergrund zu schauen und interessante Aspekte oder Einzelsituationen darauf auszumachen. Zudem brachte der scharfe Hintergrund eine große Unruhe in das Photo.

Was kann man dagegegen tun?

Man könnte den Hintergrund aufräumen. Auf einem Rummelplatz ist das aber nicht gerade eine Option. Man könnte auch eine einfarbige Pappe hinter das Motiv legen. Aber wer hat schon immer eine ausreichend große Pappe dabei. Ein Auto z. B. ist ja schon recht groß. Also auch keine Option. Die dritte Möglichkeit haben wir immer dabei - vorausgesetzt, unsere Kamera läßt eine manuelle Einstellung der Blende zu.

Das Zauberwort heißt selektive Schärfe. Hierbei wird ausgenutzt, dass bestimmte Brennweiten und Motiventfernungen (Objektweiten) in Zusammenhang mit bestimmten Blendeneinstellungen einen ganz bestimmten Schärfebereich aufweisen und alles davor und dahinter zunehmend in Unschärfe aufgeht.



220mm, f/6.3, 1/500s bei ISO 100 stelllen den Löwenzahn
vor einem Landschaftshintergrund klar frei.

Wie groß der Schärfebereich anfängt sagt entwerder die Erfahrung, ein Schärfentieferechner oder die Abblend-Taste auf Ihrer Kamera, sollte diese denn über eine solche verfügen. Einen Schärftieferechner finden Sie auch auf dieser Webseite (-> Schärfentieferechner). Aber Achtung! Der Schärfentieferechner berechnet, wo das Bild scharf ist. Es ist aber nicht so, dass es außerhalb dieses Bereiches unscharf genug ist, um den oben gezeigten Effekt zu erzielen.

Wie erreicht man nun diese gewünschte Unschärfe?
  1. Die Göße des Schärfebereichs ist proportional zur Blendenzahl. Die Blende ist ein ganz wesentliches Kriterium. Eine kleine Blende ist Garant für eine sehr schmale Schärfeebene. D.h. nur ein kleiner Bereich ist scharf, der Rest verschwimmt. Je größer die Blende (kleinere Blendenzahl), desto kleiner die Schärfentiefe.
  2. Die Größe des Schärfebereichs ist etwa proportional zum Quadrat der Objektweite. D.h. je näher wir an das Motiv kommen, desto kleiner wird auch der Schärfebereich - und zwar in quadratischem Zusammenhang. Das führt mitunter gar zu Problemen: Bei Makroaufnahmen muss man sehr nahe an das Motiv heran, und die Schärfentiefe reicht dann oft nicht mehr, um das Motiv komplett scharf einzufangen. Hier heißt es dann Blende zumachen und ggf. Photo aus mehreren Bildern zusammensetzen.
  3. Die Größe des Schärfebereichs ist etwa umgekehrt proportional zum Quadrat der Brennweite.Näher ran kommt man dann durch eine Erhöhung der Brennweite. Der Effekt ist aber der gleiche, als ginge man mit der Kamera näher ans Objekt. Die Schärfentiefe reduziert sich quadratisch.
Nun. Das Motiv ist nun mal so groß wie es ist. D.h. heißt eine bestimmtes Verhältnis von Motivabstand zu Brennweite ist fix vorgegeben. Tendenziell sind kleine Objekte also leichter freizustellen als Große. Zudem ist die Sensorgröße entscheidend: Je größer der Sensor, desto leichter ist freizustellen. Je kleiner der Sensor, desto schwieriger (weil tendenziell mehr Schärfentiefe). Da die Motivgröße und unsere Kamera mit Sensor nun mal so sind, wie sie sind, bleibt nur eines: Wir können lediglich dafür sorgen, die Blende weit zu öffnen (und damit die Schärfentiefe gering zu halten), oder den Hinterund weit in den Unscharfen bereich zu legen. Letzteres habe ich beim dem Pusteblumenbild oben getan. Der Hintergrund ist hunderte von Metern weit weg und somit unscharf. Unten sehen Sie die zweite Variante: Es wurde eine Blende von f/1.4 eingestellt. Dadurch ist der Boden, auf welchem die Blumen wachsen, bereits in völlige Unschärfe getaucht. Hier war die große Blende die einzige Freistellungsmöglichkeit.


50mm, f/1.4, 1/400s bei ISO 100 sorgen für einen
sehr geringen Schärfentiefebereich.
Welches Equipment braucht man?

Zwei Dinge sind beim Spiel mit der selektiven Schärfe wichtig.

Da wäre zum einen die Kamera. Idealerweise hat die Kamera einen großen Sensor. Ich selbst habe eine Sensor im APS-C-Format (Cropfaktor 1.6) in meiner Kamera und komme damit ganz gut klar. Eine Kamera mit einem großeren Sensor bzw. kleinerem Cropfaktor (z.B. Kleinbildsensor, Cropfaktor 1) wäre natürlich besser. Diese sind aber auch wesentlich teuerer. Tja, man kann nicht alles haben, und ein solcher Sensor hat auch Nachteile für den gemeinen Hobbyphotographen. Kleiner Sensoren (also solche mit höhrerem Cropfaktor) bilden mit höhrer Schärfentiefe ab. Das macht zwar vieles einfacher, erschwert aber die Nutzung selektiver Schärfe.

Die Kamera sollte zumindest über einen Blendenvorwahlmodus (bei Canon heißt dieser Av) verfügen oder gar komplett im manuellen Modus bedienbar sein. Nur dann ist gewährleistet, dass die Blende von uns manipuliert werden kann.

Und zum anderen wäre da das Objektiv: Je lichtstärker das Objektiv ist (d.h. je weiter man das Objektiv öffnen kann), desto besser. Nicht allein deshalb, weil man mehr Licht auf den Sensor bekommt, sondern weil man die Schärfentiefe mehr auf "unscharf" stellen kann. Halbiert sich die Blendenzahl (z.B. von 4 auf 2), so ist auch die Schärfentiefe nur noch halb so groß. Allerdings sind lichtstarke Objektive auch entsprechend sehr teuer.



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